Vom Vorgang zum Merge Request — die Brücke steht
Im Juli stand an dieser Stelle, dass Entwicklungsaufgaben per Signal oder über GitLab an einen KI-Agenten übergeben werden können. Damals blieb eine Lücke offen, die wir auch so benannt haben: Unsere eigene Aufgabenverwaltung ocTask war nicht angebunden. Wer dort einen Vorgang anlegte, musste ihn von Hand weiterreichen.
Diese Brücke steht jetzt.
Wie ein Lauf abläuft
Ein Mensch beschreibt den Vorgang. Wie immer: Titel, Beschreibung, Priorität, Anhänge. Nichts KI-Spezifisches.
Ein Mensch gibt ihn frei. Zwei Handgriffe, und beide sind Absicht: den Vorgang dem Konto des Agenten zuweisen und das Freigabe-Stichwort setzen. Fehlt eines von beidem, existiert die Aufgabe für den Agenten nicht.
Der Agent greift zu. Er sieht in regelmäßigen Abständen nach, ob etwas für ihn bereitliegt, und übernimmt genau einen Vorgang — verbindlich. Hat sich in derselben Sekunde jemand anders den Vorgang geholt, lässt er ihn liegen, statt doppelt zu arbeiten.
Er arbeitet. Im GitLab-Repository, das am Projekt hinterlegt ist. Er liest sich ein, ändert Code, baut und testet seine eigene Arbeit.
Er liefert ab. Ein Merge Request, dazu ein Kommentar am Vorgang, der zusammenfasst, was er getan hat, und auf den Merge Request verlinkt.
Er setzt den Vorgang auf „Testing“. Nicht auf „Fertig“.
Der wichtigste Satz steht am Ende
Der Agent setzt einen Vorgang niemals auf „Fertig“. Das ist keine Bescheidenheit, sondern die Grenze, an der das ganze Verfahren hängt: Fertig sagt ein Mensch. Eine Maschine, die ihre eigene Arbeit abnehmen darf, hat keine Qualitätssicherung, sondern ein Protokoll.
Dazu kommen drei weitere Dinge, die er nicht tut:
- Er schreibt nicht auf den Hauptzweig. Zweig anlegen, festschreiben und den Merge Request eröffnen macht nicht das Programmierwerkzeug, sondern der Agent selbst — kontrolliert, ohne Umschreiben von Historie, ohne erzwungenes Überschreiben.
- Er sucht sich keine Arbeit. Ohne Zuweisung und Freigabe-Stichwort ist eine Aufgabe unsichtbar, egal wie eindeutig sie aussieht.
- Er rät nicht. Ist etwas unklar, stellt er die Rückfrage als Kommentar am Vorgang und hält an. Die Antwort — ebenfalls ein Kommentar — nimmt er auf und arbeitet weiter.
Warum das mehr ist als Bequemlichkeit
Die Verbindung zwischen Aufgabe und Quellcode ist der Vorgangsschlüssel. Er steht im Zweignamen, im Merge Request und in jedem Kommentar. Ein halbes Jahr später lässt sich damit zu jeder Änderung im Code die Frage beantworten, aus der sie entstanden ist — und wer sie freigegeben hat.
Das ist der eigentliche Gewinn. Nicht, dass eine Maschine Code schreibt; das können inzwischen viele. Sondern dass am Ende eine Spur liegt, die auch dann noch trägt, wenn niemand mehr sich an das Gespräch erinnert.
Für unsere Kunden heißt das konkret: Wir arbeiten mit ihnen im selben System. Sie beschreiben eine Aufgabe, sehen den Umsetzungsplan als Kommentar, bevor Code entsteht, und sehen am Ende, was daraus geworden ist. Ohne Ticketnummer bei einem Dienstleister, ohne Statusanfrage per E-Mail.
Ehrlich bleiben
Der autonome Lauf ist jung, und wir behandeln ihn entsprechend. Nicht jede Aufgabe ist maschinenreif — die Auswahl trifft weiterhin ein Mensch, und genau dafür gibt es das Freigabe-Stichwort. Aufgaben, die viel Kontext aus Gesprächen brauchen, beschreiben wir lieber selbst zu Ende, als den Agenten raten zu lassen.
Und der Merge Request wird gelesen. Jedes Mal.